Es war einfach zu verlockend: Natürlich wollte auch ich wissen, in was für einem Stil ich schreibe. Natürlich musste ich die Webseite Ich schreibe wie… ansteuern und diese oder jene Textprobe eingeben, um mir in klammheimlicher Eitelkeit literarische Etiketten der Hochkultur abzuholen. Und natürlich ging es mir am Ende wie Thomas Glavinic, der gestern in der FAZ vorgemacht hat, was bei dieser Analyse herauskommt: Quatsch natürlich.
Nun, in meinen wenigen Blogs hier auf dieser Webseite schreibe ich wie Ingo Schulze, Sigmund Freud, G.W.F. Hegel und Immanuel Kant. Kein Wunder, dass ich darauf so wenig Resonanz bekomme!
In meinem APISEGS-Blog schreibe ich dagegen wie Albert Ostermaier, Thomas Bernhard und – erneut – Sigmund Freud. Das ist überraschend, andererseits erklärt auch das vielleicht die knauserige öffentliche Resonanz.
Besonders gespannt war ich auf das Textergebnis zu meinem 2008 erschienenen Roman “Ich.Bin.Eine.Mörderin”, den ich bewusst in großer stilistischer Vielfalt angelegt hatte. Und siehe da, tatsächlich attestierte mir das Programm genau das: Die Spanne reichte von Georg Trakl über Peter Handke bis zu Alexa Hennig von Lange. Dass ausgerechnet die Vergewaltigungsszene stilistisch Charlotte Roche zu geordnet wurde, gibt mir dagegen zu denken. Die hat eine Startauflage, die mein Buch noch nicht mal am Ende und noch nicht mal mit zwei Nullen weniger erreichte. Und wieso klingen die Gespräche mit dem Psychiater nunmehr NICHT nach Sigmund Freud, sondern nach Melinda Nadj Abonji, die zwar keiner kennt, die aber 2010 den Deutschen Buchpreis bekam, während ich noch nicht mal nach Klagenfurt eingeladen wurde?
Vielleicht stimmt doch was nicht mit der “absolut sicheren und unbestechlichen Messmethode“?